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It’s All About The Divisions

Ist Baltimore wirklich ein rattenverseuchtes, widerliches Durcheinander? Unsere Weekly News.

Avenge the patriotic gore that flecked the streets of Baltimore“ – die Hymne Marylands scheint in die Jahre gekommen, beklagt sie doch die Tyrannei des Nordens, die die Konföderierten über sich ergehen lassen hätten müssen. Und doch wirkt der Text auch fast 160 Jahre nach seiner Veröffentlichung beschämend passend für Baltimore – denn auch heute scheinen die Straßen der Stadt erstaunlich blutgetränkt, wie ein Blick in die Statistik zeigt: 342 Tötungsdelikte im Jahr 2017 machen Baltimore zu einer der gefährlichsten Städte der Vereinigten Staaten.

Aber handelt es sich bei Baltimore deshalb um ein rattenverseuchtes, widerliches Durcheinander, wie Präsident Trump in jüngster Vergangenheit festgestellt wissen wollte? Nicht umsonst ist die Stadt eher für den günstigen Flughafen nahe der Hauptstadt als für Wohlfühltourismus bekannt – und das, obwohl Baltimore auf Fotos ganz nett aussieht. Klar ist, dass die Stadt mit einigen Problemen zu kämpfen hat, die der Präsident etwa auf die aus seiner Sicht schlechte Arbeit des lokalen Abgeordneten Elijah Cummings (D-MD) zurückführt. Der sitzt nämich seit 23 Jahren im Repräsentantenhaus und passt damit ziemlich gut ins Bild des swamp politician, gegen den sich der Präsident stellen will.

Tatsächlich verhält sich die Sache doch etwas einfacher: Cummings ist einer der stärksten Kritiker des Präsidenten – und einer der einflussreichsten, steht er doch dem House Committee on Oversight and Reform vor. Diese Position ermöglicht es ihm etwa, eigenständig Personen vorzuladen. Und das machte er in jüngster Vergangenheit auch mehrfachZudem ist Cummings ein Befürworter eines impeachment-Verfahrens. Und genau da sind sich die Demokraten bekanntlich nicht einig.

Aus Sicht des Präsidenten bietet es sich da natürlich an, Cummings zu weiteren Handlungen zu ermutigen, die ihn in Konflikt mit Nancy Pelosi bringen, die ein impeachment zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin ablehnt. Oder um es mit George Stephanopoulos von ABC News zu halten: „It’s all about the divisions.“ Und das bringt uns auch zu unserem heutigen Titel!

„Dear Oversight Board, Go F*** Yourself“

Wie als Gouverneur von Puerto Rico mit der Finanzaufsicht umgehen, die das Ausgabeverhalten des Bundesstaats bemängelt? Probleme erkennen und lösen? Ach, warum denn? Einfach den Frust in einer privaten Messenger-Gruppe ablassen. Blöd nur, wenn die Gruppe nicht so privat ist und der Gouverneur jetzt den Hut ziehen muss.

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Macht nun gezwungenermaßen ein grimmiges Gesicht: Der puertoricanische Gouverneur Ricardó Rossello. Bildquelle: World Travel & Tourism Council

Beeinflusst das jetzt die große US-amerikanische Politik? Nicht umbedingt – für die Befürworter der Puerto Rican Statehood, also der Aufnahme der Insel als 51. Bundesstaat der USA, stellt die Affäre einen Rückschritt dar, denn Rossellos Partei vertritt diese Forderung lautstark. Ohnehin unterscheidet sich Puerto Rico vom Rest der Vereinigten Staaten, wenn es um das Parteiensystem geht. Hier gibt’s eine Übersicht – mit Infos dazu, warum Puerto Rico 2020 wichtig wird.

Milliarden für die Mauer

Präsident Trump scheint es geschafft zu haben – mehrere hundert Meilen Grenzmauer können gebaut werden, jetzt, da 2,5 Mrd. US-Dollar aus dem Verteidigungshaushalt für den Bau herangezogen werden dürfen. Mit dieser Entscheidung hat der Supreme Court aber weniger Tagespolitik betrieben, als auf den ersten Blick vermutet werden mag. Konkret fehlt es den klagenden Parteien nämlich schon am standing, also der Klagebefugnis: Bürger und Vereinigungen haben aus Sicht des obersten Gerichts kein Recht, möglicherweise fehlerhafte Mittelzuweisungen zu rügen, solange sie nicht selbst davon betroffen sind.

Gut möglich, dass eine andere Entscheidung noch folgen wird. Bis jetzt empfehlen wir aber einen Blick zu den Kollegen von National Review, die die Thematik recht unaufgeregt auseinandernehmen.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

…und auch Special Counsel Robert Mueller scheint dieser Zauber immer wieder ins Gesicht geschrieben, fast, als hätte er seinen Bericht im Kongress erstmals vorgelesen bekommen. Und so wurde aus einer Veranstaltung, von der viele Demokraten sich ein flammendes Plädoyer für ein Impeachment erhofften, eine Runde voller Ahs und Ähs. „We don’t use the word collusion, but, erm, one of the other terms…

Oder um es mit David Axelrod, einem ehemaligem Berater des früheren US-Präsidenten Obama, zu halten:

Tatsächlich wirkte Mueller zeitweilig unvorbereitet, und doch sollte nicht unbeachtet bleiben, dass es schon einige Jahre zurückliegt, seit Mueller zuletzt im Kongress zu einer Causa ausgesagt hatte. Die öffentliche Meinung hat sich übrigens überhaupt nicht geändert. Aber vielleicht gibt es ja demnächst andere Themen als Russiagate.

Kultur

Es ist Sommer. Old Town Road befindet sich seit 16 Wochen auf Platz eins der US-Charts. Also können wir Euch noch keine Winterlieder anbieten – wäre da nicht die Hymne, mit der wir den Wochenrückblick gestartet haben, denn „Maryland, my Maryland“ teilt sich die Melodie mit „O Tannenbaum“. Tja, liebe Freunde der Konföderierten – wenn es Euch noch gibt –, da müsst Ihr jetzt durch:

Übrigens: Der umstrittene Text führte schon mehrfach zu Versuchen, die Hymne abzuschaffen. Bisher aber ohne Erfolg.


Titelbild: Baltimore. Public Domain.

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