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10 Gründe, warum er Trump stoppen kann

Andrew Yang ist der disruptive Kandidat der Demokraten.

Es war der 06. November 2017, als ein kleinwüchsiger Mann mit dem Namen Andrew Yang verkündete, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden zu wollen.

Seitdem hat sich einiges getan. Ein bis dato unbekannter Sohn taiwanesischer Einwanderer mischt die Ränge demokratischer Präsidentschaftskandidaten auf. Er ist ungewöhnlich, undogmatisch und unverbraucht. Und er ist verdammt cool. Das weiß auch das Internet. Die „Yang-Gang“ – der informelle Name seiner Anhängerschaft in der virtuellen und realen Welt – wächst von Tag zu Tag. Und mit ihr auch seine Chancen auf die demokratische Kandidatur.

Wir nennen euch zehn Gründe, warum nur Andrew Yang Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2020 besiegen kann.

Say what? Ihr habt richtig gehört. Nur Andrew Yang kann die Demokraten retten.
Nein. Nicht Joe Biden. Nicht Kamala Harris. Nicht Bernie Sanders. Nicht Alexandria Ocasio-Cortez. Nein. Only Andrew Yang can make America Blue Again.

Seid ihr bereit? Hold my beer.


1. Andrew Yang hat die beste Analyse für den Sieg von Donald Trump 

Was haben wir uns nach dem Sieg von Donald Trump nicht alle anhören müssen.
Er sei der Wegbereiter des Faschismus im Weißen Haus. Schrieb immerhin ein bedeutender konservativer Kolumnist (Kennt noch jemand Robert Kagan?).
Andere wechselten aus Furcht gleich das politische Lager. Wiederum andere erklärten Trump nicht zu Hitler, dafür aber zumindest zu einem Mussolini-Light.
Okay, cool.

Dann haben wir uns eingeredet, dass wir Donald Trumps Erfolg selbst zu verantworten hätten: Wir haben einen Schwarzen zum US-Präsidenten und eine Frau zur deutschen Bundeskanzlerin gewählt. Wir haben einen dunkelhäutigen Muslim zum Londoner Bürgermeister gemacht und einem ausgewiesenen Feministen zum kanadischen Premierminister gewählt. Und der von uns umjubelte französische Präsident lässt sich mittlerweile mit schwarzen Drag Queens fotografieren.
Weil wir unsere Wurzeln vergessen und uns selbst abgeschafft haben, hatten die Leute eigentlich keine andere Wahl, als Trump zu wählen. Unglaubwürdig?
Don’t ruin my story with your logic.

Andrew Yang hat eine bessere Erklärung

„The explanations go something like Russia, Facebook, the FBI, maybe a dash of Hillary Clinton thrown in there. But I looked at the numbers … and Donald Trump is our president for one simple reason: We automated away 4 million manufacturing jobs in Michigan, Ohio, Pennsylvania, Wisconsin, Missouri, Iowa, all of the swing states that Donald Trump needed to win.

Nicht Angela Merkel, sondern die digitale Revolution trägt die Hauptverantwortung für den Aufstieg von Trump. Darüber hat Yang sogar ein Buch geschrieben. Es heißt „The War on Normal People“ und handelt exakt von diesem Umstand. Auf rund 280 Seiten erklärt er aufschlussreich, wieso und warum die US of A Millionen von Arbeitsplätze durch die Automatisierung verloren haben – insbesondere in Swing States, welche Donald Trump zuletzt zum Sieg verhalfen.
Das Weiße Haus unter Obama veröffentlichte im Dezember 2016 einen Bericht, demzufolge 83% aller Jobs, in denen man weniger als 20 US-Dollar in der Stunde verdient, durch Automation beeinflusst werden. Ergo: Zwischen 2,2 und 3,1 Millionen Auto-, Bus- und KFZ-Fahrer könnten irgendwann durch selbstfahrende Autos ersetzt werden. 95 Millionen Amerikaner sind bereits arbeitslos. Nur 62.9% aller Amerikaner sind momentan beschäftigt. Die US of A liegt deutlich unter den meisten industriellen Ökonomien – und ungefähr auf dem Level von El Salvador.

Donald Trumps Haupt-Narrativ war simpel, aber catchy:
Der amerikanische Traum ist tot. Alle haben euch verarscht.
Wir müssen die US of A wieder stark machen. Das System ist kaputt. 

Washington hat euch im Stich gelassen. Ich bin gekommen, um euch zu retten.

Und tatsächlich gelang es Donald Trump, von dem Gefühl des Abgehängt-Seins zu profitieren. Ein Gefühl, das im Übrigen bis heute anhält: Laut einer diesjährigen Umfrage von RealClearPolitics ist immer noch eine Mehrheit von Amerikanern über die Zukunft des amerikanischen Traums besorgt.
„Some 37% of the poll’s voters said the American dream is alive, but under threat; 28% said it’s under serious threat, but that there’s still hope; 7% said it is dead; and 27% said it is alive and well.“

Es ist also vor allem die Digitalisierung, welche den Hauptgrund für die amerikanischen Unruhen ausmacht, die letztlich zum Sieg einer durchaus autoritär anmutenden Figur wie Donald Trump geführt hat. Doch Donald Trump ist nicht einfach nur autoritär. Besonders eine Eigenschaft verhalf ihm zum innerparteilichen Durchbruch.

2. Andrew Yang ist der disruptive Kandidat der Demokraten

Bereits die Nominierung von Donald Trump als republikanischen Präsidentschaftskandidaten ließ unsere Köpfe platzen. Die Grand Old Party gab uns Rick Santorum, sie gab uns Sarah Palin, sie gab uns George W. Bush. Und dann kam Trump. Seine Auftritte waren im besten Sinne des Wortes disruptiv. Donald Trump beleidigte große republikanische Ehrenmänner wie John McCain und brachte das altgediente Establishment gegen sich auf. Seine Auftritte stellten nicht nur althergebrachte, republikanische Werte auf den Kopf (Trump würde bekanntlich sogar seine Tochter daten), sondern letztlich auch die gesamte Partei.

Die Nominierung von Andrew Yang als demokratischen Präsidentschaftskandidaten könnte dasselbe mit sich bringen. Einen Vorgeschmack darauf hat der 44-jährige Unternehmer bereits zum Besten gegeben. Noch bevor Julian Castro in der CNN Democratic Presidential Debate „Adios“ zu Donald Trump sagen konnte, sorgte Andrew Yang mit seinem Closing Statement für einen wahren Punkrock-Moment.

“Instead of automation in our future, We’re up here with make-up on our faces and our rehearsed attack lines, playing roles in this reality TV show.
It’s one reason why we elected a reality TV star as our president.“

Während Hillary Clinton potentielle Trump-Wähler noch als Deplorables beschimpfte, verzichtet Yang auf charakterliche Verurteilungen. Er sucht die Fehler im System, nicht in den Personen. Er versteht etwas von Kommunikation, wie Kevin Kruse richtig erkannt hat.

Für Andrew Yang ist nicht Trump das Problem. Trump ist vielmehr das Symptom der Probleme der amerikanischen Arbeiterklasse. Und ihrer Frustration mit etablierten Politikern. Das erinnert nicht zufällig an den Slogan, mit dem Trump massenweise Nichtwähler mobilisieren konnte: Drain the Swamp.

Und während ein Großteil der amerikanischen Medienhäuser mal wieder über Collusion diskutiert, interessiert sich Andrew Yang bedeutend wenig für die Russian Probe.
Er sieht sich als Problemlöser. Und präsentiert simple, aber überzeugende Lösungen.

3. Andrew Yang ist der Kandidat des Internets, nicht der Mainstream-Medien

Es ist paradox. Obwohl Andrew Yang laut aktuellen Umfragen nicht nur bei Studierenden vor Kamala Harris und Pete Buttigieg liegt, bekommt er nicht die mediale Aufmerksamkeit, der er eigentlich verdient hätte. Laut neuesten Umfragen liegt er sogar bereits bei acht Prozent. Selbst eingefleischte republikanische Strategen zollen ihm Tribut. Die etablierten Medien hingegen zeigen ihm weiterhin die kalte Schulter.

Obwohl der innerparteiliche Wahlkampf gerade erst begonnen hat, kreierte die Yang-Gang bereits erste Hashtags, die das mediale Bias gegenüber ihm aufzeigen sollen. Unter #YangMediaBlackout kritisierten Yangs Anhänger den Umstand, dass der unkonventionelle Hoffnungsträger aus New-York mehrmals nicht aufgelistet worden war, obwohl er sich unter den Top 6 befand. So hatte Beto O’Rourke in einer Umfrage der Quinnipiac University etwa nur 1% erhalten. Andrew Yang dafür 3 %.
Rourke wurde gelistet. Nur Andrew Yang fehlte. Ups.

Krystal Ball stellte sogar fest, dass es ein „persistent pattern of ignoring Yang’s candidacy“ unter den Mainstream-Medien geben würde. Und dann gab es ja auch noch den Vorfall mit dem Mikrofon bei der MSNBC-Debate. Andrew Yang wollte sich mehrmals zu Wort melden, aber gab (währenddessen und später) zu erkennen, dass sein Mikrofon abgeschaltet war. Dies sorgte für einen großen Aufschrei.
Und für den Hashtag #LetYangSpeak.

Während viele Medienhäuser Andrew Yang weitestgehend die kalte Schulter zeigen, hat das Internet Andrew Yang bereits zum Sieger gekürt:
„Andrew Yang keeps winning the Internet Primary.“

Erinnert ihr euch noch, als Donald Trump sich erfolgreich als größten Feind der Mainstream-Medien präsentieren konnte? Wir können nur mutmaßen, ob sich in der offensichtlichen Benachteiligung von Andrew Yang bereits ein neuer DNC-Skandal anbahnt. Was wir aber nicht vergessen haben: Wie wenig Donald Trump zu Beginn beachtet wurde. Wie sehr wir alle über ihn gelacht haben.
Und wie überraschend er am Ende gewonnen hat.


4. Andrew Yang ist es gewohnt, der selbstironische Außenseiter zu sein

Im Duell mit Donald Trump gab es für Hillary Clinton stets wenig zu holen. Das lag auch daran, dass selbst rhetorische Fliegengewichte wie dieser kleinwüchsige Texaner zu mehr Selbstironie fähig waren als Mrs. Clinton. Robotic Hillary hingegen lachte wie auf Befehl – vor allem immer dann, wenn sie die härtesten Beleidigungen abbekam.
Das wirkte maximal verkrampft. Andrew Yang hingegen ist einfach der, der er ist.

Authentisch. Undogmatisch. Schwer einzuordnen. Das könnte selbst für ein propagandistisches Schlachtschiff wie Donald Trump schwierig werden.
Das gibt er auch offen zu:
So verlautbarte Donald Trump im Rahmen eines Auftritts in West Virginia, dass er Nachts davon träume, einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten wie Joe Biden als Konkurrenten zu bekommen. Es gäbe nur einen Schlag Mensch, vor dem er sich wirklich fürchten müsse: “The only thing I worry about is that some total unknown that nobody ever heard of comes along.”

Andrew Yang könnte dieser eine total unknown guy sein. Dieser bisher nur virtuelle Somebody begeistert seine Anhänger wie ein Rockstar. Wenn Yang während seiner hypothetischen State of the Union Microsoft Powerpoint erwähnt, ruft die Menge den Namen der Software. „Math“ steht bei ihm nicht nur für Mathematik und kluges Wirtschaften – es steht für „Make America Think Harder“.

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Diese steilen Hüte sind bereits ausverkauft.

Yang ist nicht Teil der alteingesessenen D.C.-Riege der Clintons und Bushs. Yang ist kein fortunate one. Yang ist Sohn von taiwanesischen Einwanderern. Yang wurde als Schüler jahrelang gemobbt. Yang macht Witze über sich selbst. Über seine Vergangenheit, über seine beruflichen Failures. Und – jetzt müsst ihr ganz stark sein – sogar über rassistische Stereotype. Yang ist es gewohnt, mit unfairen Diskutanten im Ring zu stehen.
Gegenüber einem Rüpel wie Trump ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil.


5. Andrew Yang ist liberal, aber kein Social Justice Warrior

Ein dezidiert lockerer Umgang mit dem, was man gemeinhin political correctness nennt, ist bei Yang Teil des Plans. Während viele demokratische Kandidaten mit identitätspolitischen Avancen punkten wollen, bleibt der Sohn taiwanesischer Einwanderer relaxed – und hat stets die nationale Einheit im Blick. Nicht nur, dass er sich selbstironisch als „Asian Guy who loves Maths“ betitelt: Er zeigt sich ungewöhnlich verständnisvoll gegenüber offensichtlich rassistischen Jokes – und ist dagegen, Leute wegen offensichtlichem Fehlverhalten rauszuwerfen.

Ein Beispiel gefällig? Shane Gillis, ein eher unterdurchschnittlich erfolgreicher Comedian wurde kürzlich in der beliebten Comedy-Show Saturday Night Live eingestellt. Tatsächlich hatte er in der Vergangenheit ein Händchen für rassistischen und homophoben Humor. Mehr noch als das machte sich Gillis explizit über asiatische Akzente lustig und beschimpfte Yang als einen “Jew c***k.” 

Gillis wurde gefeuert – noch bevor er das erste Mal aufgetreten war.

Und Yang? Er wagt den unmöglichen Spagat: Er kritisiert Gillis Aussagen und attestiert der amerikanischen Gesellschaft gleichzeitig einen Hang zur Überbestrafung.

Das sorgte nicht nur für Zustimmung innerhalb den eigenen Reihen.
Yang jedoch nahm es gelassen und beharrte auf seinem Standpunkt.
Und lud Gillis zur gemeinsamen Diskussion ein.

6. Andrew Yang könnte auch Trump-Wähler für sich gewinnen

Als Donald Trump in der Wahlnacht gegen 02.00 Uhr morgens nicht mehr nur den Swing State Ohio, sondern später auch Florida und North Carolina einnehmen sollte, rieben wir uns noch ungläubig den Schlaf aus den Augen. Als er um halb 7 Pennsylvania in der Tasche hatte, waren wir endgültig verstört. Das eigentlich Verstörende folgte allerdings erst in den nächsten Tagen. Viel zu schnell war es ausgemachte Sache, dass Trump deshalb so erfolgreich gewesen sei, weil er auf einen hohen Prozentsatz von weißen, blue-collar, unterdurchschnittlich gebildeten, männlichen, nicht-urbanen Wählern setzen konnte. Das Narrativ lautete einhellig: Er versprach ihnen Jobs, sichere Grenzen und die Rückerlangung ihrer Ehre. Der Plebs erhörte seine Gebete. Und krönte Trump zum Sieger.

Diese Erzählung hat allerdings seine Macken. Trump profitierte nicht alleine durch eine ungewöhnlich hohe Zustimmung von white voters. Er profitierte von Hillary Clintons mangelnder Attraktivität. Urban, minoritär und gut gebildet – diese Merkmale trafen stets auf demokratische Stammwähler zu. Vor allem aber auf jene, die 2016 gar nicht erst zur Wahl gingen. Wenngleich man Trump verachtete, schien man auch nicht viel mehr von Hillary zu halten. Diese „surely-I-am-a-democrat, but I dislike Hillary“-Wählergruppe waren es, die Trump zum Sieger machten.

Im Gegensatz zu Hillary Clinton wird Trump 2020 mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit auf seine Stammwähler bauen können. Trump’s „non-traditional base“, die moderaten Republikaner, bekamen ihre tax cuts. Die religiöse Rechte bekam den Supreme Court. Mit Neil Gorsuch and Brett Kavanaugh wurden zwei Gründe nominiert, für Trump erneut flyern zu gehen. Nur der authentischste Trump-Supporter, der blue-collar, lower-middle-class voter bekam noch nicht das, was er wollte.
Die so redundant angekündigte Mauer (lies: Isolationismus) ist immer noch ein Zaun-im-Aufbau und der Swamp (lies: Populismus) ist auch noch nicht ausgetrocknet.

Doch selbst, wenn das besonders populistisch geneigte Klientel von Trump-Wählern von Trump enttäuscht wäre. Wen sollten sie präferieren? Joe Biden? Elizabeth Warren?

Auch hier hat Andrew Yang einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil.
Er ist kein klassischer Left-Or-Right-Kandidat. Er will nach vorne.

Insbesondere mit seinem Major Talking Point – den durch die voranschreitende Digitalisierung millionenfachen Abbau von Arbeitsplätzen in ruralen Gebieten – spricht Yang einen Punkt an, den auch Trump-Wähler, die ihn nicht primär aufgrund seiner isolationistischen Haltung wählten, erreichen könnten.


7. Andrew Yang ist die moderate Version von Bernie Sanders

Nicht nur progressive Kommentatoren waren sich schon früh einig, dass Bernie Sanders im Sparring gegen Trump bessere Chancen auf die US-Präsidentschaft hätte, als die üblichen Verdächtigen. Auch die Umfragen sprechen eine klare Sprache.

Doch für 2020 gibt es ein Problem. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Sanders diesmal intern durchsetzen könnte, ist als gering einzuschätzen. Wie schon vor vier Jahren sind die Demokraten momentan erneut dabei, sich intern zu zerfleischen. Zuletzt hatte Bernie „Feel the Bern“ Sanders sogar gesundheitliche Probleme. Und musste ins Krankenhaus. Das erinnert uns an unschöne Verschwörungstheorien über Hillary Clintons geistige Verfassung.

Auch Andrew Yang ist bekennender Bernie-Sanders-Fan. 2016 hat sich der IT-Unternehmer ganz klar für Sanders ausgesprochen. Einige von Sanders Vorhaben – Erhöhung des Mindestlohns bei Tech-Companies, wie auch höhere Steuern für Tech-Riesen finden sich auch bei Andrew Yang. Auch und insbesondere bei Themen der sogenannten Millennials, welche besonders stark für Sanders stimmten – Klimawandel und Health-Care – kann Andrew Yang punkten.

Zeitgleich könnten sich moderate Demokraten, die zwar in die Kategorie #NeverTrump fallen, durch Sanders unamerikanisches Image abgeschreckt fühlen. Insbesondere das Wort „Sozialismus“, welches nicht nur in den USA aus sehr nachvollziehbaren Gründen immer noch abschreckend wirkt (und mit dem Sanders sich stets stolz brüstet) wäre ein gefundenes Fressen für so manche Wahlkampagne der Grand Old Party

Auch hier bietet Andrew Yang eine Alternative. Nicht nur widerspricht er Sanders dort, wo er Sanders für etatistisch und altbacken hält: Etwa in einer Forderung nach einer Federal Job Guarantee für jeden amerikanischen Staatsbürger.

Vielmehr ist Andrew Yang meilenweit davon entfernt, Sozialist zu sein. Er gibt klar zu erkennen, dass er an der Seite des kapitalistischen Fortschritts steht und bezeichnet sein Programm als „human-centered-capitalism“.

Auch außenpolitisch würden viele Truman-Democrats Bernie Sanders ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Doch auch hier besticht Andrew Yang durch moderatere Positionen. Vieles von dem, was Yang von sich gibt, könnte man auch bei Joe Biden finden. Und ratet mal wer Andrew Yangs Lieblingspräsident ist? Ausgerechnet ein Republikaner: Teddy Roosevelt.

8. Andrew Yang ist ein philantropischer Unternehmer

Als ich im Frühjahr diesen Jahres das Vergnügen hatte, mit Richard Grenell, dem  amerikanischen Botschafter in Deutschland zu plaudern, blieb mir vor allem eine seiner Äußerungen in Erinnerung: „We Americans love comeback-stories and entrepreneurs.“ 

Auch aus diesem Grund pflegte und hegte Donald Trump sein Image als erfolgreicher Unternehmer wie kein Zweiter. Auch wenn es gute Gründe gibt, seine Erfolgsbilanz in Zweifel zu ziehen, nimmt ihm eine überwiegende Mehrheit seinen Erfolg ab. Doch während Donald Trump seine Angestellten nicht nur als US-Präsident stets wie Dreck behandelt, kann Andrew Yang vor allem durch seine Philanthropie punkten.

Bereits im zarten Alter von 44 Jahren hat Andrew Yang einen beeindruckenden Lebenslauf im privaten Sektor hinter sich. Nach dem obligatorischen Law-Degree und der Gründung eines gescheiterten Tech-Startup, wurde er CEO eines 11 Millionen-Dollar starken Unternehmens, das später übernommen wurde. Just im Anschluss daran, gründete er das Non-Profit-Unternehmen Venture for America, das College-Absolvierten umschulte, um später in Start-Ups arbeiten zu können. Andrew Yang’s zentrales Anliegen dreht sich insbesondere um seine Vorstellung eines Universal Basic Income (UBI), um den massiven Effekten der Automatisierung entgegenzusteuern. 1000$ im Monat – das soll jeder amerikanische Staatsbürger über 18 Jahren bekommen, um Rechnungen zu bezahlen und sich weiterbilden zu können. Als bereits andauerndes Experiment bezahlt Yang das UBI aus eigener Tasche. Zuletzt verkündete er dies vor laufender Kamera.

Während Donald Trumps Persönlichkeit eine Sache für sich ist, besticht Andrew Yang durch eine äußerst philanthropische Weltsicht. Im Gegensatz zum amtierenden US-Präsidenten hat Yang keine Familie mit oftmals dubiosen Geschäftsinteressen, sondern einen autistischen Sohn. Und ein Start-Up, das Menschen dabei unterstützt hat, einen Job zu finden. Andrew Yang ist das gutmenschliche Antidote zu Donald J. Trump.

9. Andrew Yang hat bereits jetzt einen einprägsamen Markenkern

Während Hillary Clinton vor vier Jahren damit strauchelte, simple, einprägsame Narrative zu bilden, waren Trumps einsilbige Messages bald in aller Munde.

We build a Wall. We make America Great Again.

Wofür steht eigentlich Elizabeth Warren? Für eine „Foreign Policy for All“?
Ihre Plattform dreht sich vor allem um die stärkere Besteuerung von Reichen. Ein Vorschlag, der sich selbstredend hoher Unterstützung erfreut. „Eat the Rich“ ist als Titel hoffentlich bereits ausgeschlossen worden. Und auch Bernie Sanders‘ Kampagne mit dem ganz und gar nicht prätentiösen Titel „For the 99.8%“ klingt mehr nach Occupy-Wall-Street, als nach einem ernstzunehmenden Vorschlag.

Von allen demokratischen Mitbewerbern hat Andrew Yang bereits jetzt die einprägsamsten Headlines:
We automated away millions of jobs. 1.000$ a month. For every American. Humanity First.

Und auch sein zentrales Vorhaben, das Universal Basic Income, hat in der Vergangenheit schon konservative Kommentatoren überzeugen können.

10. Andrew Yang ist kein Establishment-Demokrat

Heute ist uns eines endgültig klar: Das schlechte Abschneiden von Hillary Clinton, war auch Ausdrucks eines eindeutigen Votums gegen alte Seilschaften in Washington D.C.
Ein Votum gegen das politische Establishment.

Auch dieser Umstand könnte Andrew Yang in die Hände spielen. Denn bis vor wenigen Jahren hatte Andrew Yang mit Politik in Washington D.C. überhaupt nichts zu tun.
Wenn überhaupt, kam er mit der Politik erst 2012 in Kontakt. Damals wurde er durch die Obama Administration für sein Wirken im Rahmen von Venture for America als „Champion of Change“ ausgezeichnet. Drei Jahre später betitelte man ihn sogar als  „Presidential Ambassador for Global Entrepreneurship“. 

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Andrew Yang wird durch den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama als White House Champion of Change ausgezeichnet. 26. April 2012. Public Domain.

Wer lange im Rampenlicht der Politik steht, verliert bald seinen Glanz. Wer zu oft Kompromisse eingehen musste, verliert zudem seine Glaubwürdigkeit. Und wer zu lange im Blitzlicht steht, verliert rasch seine Magie. So wird es auch den meisten demokratischen Mitbewerbern gehen.

Joe Biden? Der Creepy Uncle Joe.
Bernie Sanders? Der grauhaarige Sozialist.
Elizabeth Warren? Zu 0,001% Indian-American.
Kamala Harris? Anything but a progressive prosecutor.
Beto ‚O Rourke: „Born to be in it“, oder doch „sorry that he said he was born to be in it“?
Tulsi Gabbard: Geheime Treffen mit Bashar al-Assad.
Cory Booker: Weed. Weed. Weed.
Und Mayor Pete? Der nervt einfach nur noch.

Reden wir Tacheles.

Joe Biden, Kamala Harris, Elizabeth Warren.
Ihnen droht das selbe Schicksal wie Hillary 2016.

Andrew Yang hingegen wäre ein Experiment – auch für die Demokratische Partei. Viel mehr als das, wäre Yang aber das, was Trump zuletzt für Hillary Clinton war: Unberechenbar, undogmatisch und ungewöhnlich.
Wie schon Trump, war auch Andrew Yang auf vielen Gebieten unerfahren.
Doch auch 2016 zählten nicht jahrelanger Erfahrung im Polit-Business (Clinton), sondern zuletzt klare Botschaften und eine große Vision.

Andrew Yang wäre ein sehr schwerer Gegner für Donald Trump.
Und große Hände hat er bestimmt auch.



Titelbild
: Andrew Yang speaking with supporters at the Des Moines Register’s Political Soapbox at the 2019 Iowa State Fair in Des Moines, Iowa. Gage Skidmore. CC 2.0.

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